← Alle Artikel

Reizbar, traurig, ängstlich? Stimmung in den Wechseljahren

Warum Hormonschwankungen auf die Stimmung schlagen, was hilft – und wann du dir Unterstützung holen solltest.

Teetasse am regennassen Fenster, draußen bricht die Sonne durch Gewitterwolken – Symbol für Stimmungsschwankungen

Gestern hat dich eine Kleinigkeit auf die Palme gebracht, heute kommen dir beim Werbespot die Tränen, und nachts kreisen Sorgen, die du früher einfach weggeschoben hättest. Wenn du gerade denkst „Das bin doch nicht ich“, bist du nicht allein. Stimmungsschwankungen gehören zu den häufigsten – und am wenigsten besprochenen – Veränderungen in den Wechseljahren.

Die kurze Antwort

In der Perimenopause schwanken Östrogen und Progesteron stark. Beide Hormone wirken im Gehirn mit – unter anderem auf Serotonin, Schlaf und Stressverarbeitung. Deshalb sind Reizbarkeit, Traurigkeit, innere Unruhe und Angst in dieser Phase häufiger. Das ist keine Charakterschwäche und kein „Einbildungsproblem“. Es ist gut behandelbar – und wenn die Stimmung über Wochen gedrückt bleibt, ist es ein Grund, zur Ärztin zu gehen.

Was im Körper passiert

Nicht der niedrige Hormonspiegel allein ist das Problem, sondern vor allem das Auf und Ab. In der Perimenopause kann der Östrogenspiegel innerhalb weniger Tage stark steigen und wieder abfallen. Östrogen beeinflusst Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin, die für Stimmung und Antrieb wichtig sind. Progesteron hat über seine Abbauprodukte eine eher beruhigende Wirkung – fällt es ab, fehlt dieser „Puffer“.

Studien zeigen, dass das Risiko für depressive Symptome in der Übergangsphase deutlich steigt – auch bei Frauen, die vorher nie depressiv waren. In der Penn Ovarian Aging Study traten depressive Symptome während der Perimenopause etwa doppelt so häufig auf wie davor.

Dazu kommen Verstärker, die mit Hormonen nur indirekt zu tun haben:

  • Schlechter Schlaf: Nächtliches Schwitzen und häufiges Aufwachen machen dünnhäutig. Mehr dazu in Schlaf in den Wechseljahren.
  • Die Lebensphase: Kinder ziehen aus, Eltern werden pflegebedürftig, im Job wird es eng – oft alles gleichzeitig.
  • Frühere Erfahrungen: Wer zu starkem PMS, einer Wochenbettdepression oder früheren depressiven Phasen neigte, reagiert oft empfindlicher auf Hormonschwankungen.

Wie es sich anfühlen kann

  • Du bist schneller gereizt, oft gegenüber den Menschen, die dir am nächsten stehen.
  • Traurigkeit oder Weinen „ohne Grund“.
  • Innere Unruhe, Herzklopfen, Grübeln – manchmal plötzliche Angst, die es vorher nicht gab.
  • Weniger Freude an Dingen, die dir sonst gutgetan haben.
  • Das Gefühl, dich selbst nicht wiederzuerkennen.

Was helfen kann

1. Benennen statt aushalten

Ein einfaches Stimmungstagebuch (Stimmung, Schlaf, Zyklus, Hitzewallungen) zeigt oft Muster. Es hilft dir selbst – und es ist im Arzttermin Gold wert.

2. Schlaf schützen

Ein kühles Schlafzimmer, feste Zeiten, weniger Alkohol am Abend. Wer besser schläft, hat schlicht mehr Geduld.

3. Bewegung – am besten draußen

Regelmäßige Bewegung wirkt nachweislich auf Stimmung und Angst. Es muss kein Marathon sein: ein zügiger Spaziergang bei Tageslicht ist ein guter Anfang.

4. Darüber reden

Mit der Partnerin oder dem Partner, mit Freundinnen, mit anderen Frauen in derselben Phase. Allein das Wissen „Das ist hormonell mitbedingt“ nimmt vielen den Druck.

5. Professionelle Hilfe ist keine Niederlage

Die deutsche S3-Leitlinie zu Peri- und Postmenopause nennt mehrere wirksame Wege: Kognitive Verhaltenstherapie kann bei Stimmungsbeschwerden helfen, und eine Hormontherapie kann depressive Verstimmungen in der Perimenopause verbessern. Bei einer echten Depression kommen auch Antidepressiva infrage. Welcher Weg passt, entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin.

Wann du zur Ärztin gehen solltest

  • Die gedrückte Stimmung hält länger als zwei Wochen fast täglich an.
  • Du kannst deinen Alltag, deine Arbeit oder Beziehungen kaum noch bewältigen.
  • Angst oder Panikattacken schränken dich ein.
  • Du schläfst kaum noch oder ziehst dich stark zurück.

Lass dabei auch körperliche Ursachen prüfen – etwa die Schilddrüse oder einen Eisenmangel, die ähnliche Beschwerden machen können. Mehr dazu in Nährstoffe ab 45.

Wenn du Gedanken hast, dir etwas anzutun, oder dich in einer akuten Krise fühlst: Du musst da nicht allein durch. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (auch per Chat auf telefonseelsorge.de). In einem Notfall wähle die 112.

Weiterlesen

Und Aarwaan?

Ganz ehrlich: Keine Creme behandelt Stimmungsschwankungen oder eine Depression. Was wir dir mitgeben können, ist ein kleines Abendritual. Viele Frauen nutzen das Einmassieren unserer Magnesium-Creme als bewusste Pause am Ende des Tages – zwei Minuten nur für dich.

Zur Magnesium-Creme →

Quellen

  • Freeman EW et al. (2006): Associations of hormones and menopausal status with depressed mood in women with no history of depression. Archives of General Psychiatry 63(4):375–382.
  • Bromberger JT et al.: Depressive symptoms during the menopausal transition – Study of Women's Health Across the Nation (SWAN).
  • AWMF S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen (015-062). register.awmf.org
  • Pharmazeutische Zeitung: Wechseljahre – Geist und Seele können leiden. pharmazeutische-zeitung.de
  • TelefonSeelsorge Deutschland. telefonseelsorge.de

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

Kostenlos · einmal im Monat

Der Stark‑im‑Wandel‑Brief.

Verständliches Wissen zu den Wechseljahren, direkt in dein Postfach. Als Dankeschön bekommst du unseren Wechseljahre-Guide als PDF.

Du bekommst eine E-Mail zur Bestätigung. Abmelden geht jederzeit. Mehr in der Datenschutzerklärung.